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14. Dezember 2018

Pflegenotstand - aber wie?

 Pflegenotstand – aber wie?

Wenn von Pflegenotstand die Rede ist, bedeutet das in der Regel, dass man über den zukünftig fehlenden Nachwuchs in den Pflegeberufen nachdenkt. Zu gering vergütet, zu schwierige Arbeitsbedingungen,  heißt es zur Erklärung. Kolleginnen und Kollegen, die in der Altenpflege oder in der Krankenpflege arbeiten, berichten schon heute Tag für Tag davon, dass sie die Arbeit kaum schaffen können. Jedenfalls nicht in einer Qualität, die den Bewohnern bzw. den Patienten wirklich gerecht wird. Gerade in der stationären Altenpflege ist es keine Seltenheit, dass das Personal immer weiter ausgedünnt wird: kaum Vollzeitstellen, möglichst wenige Examinierte, viele Hilfs- und Teilzeitkräfte, Waschen und zur Toilette bringen im Fließbandtempo, alleinige Verantwortung für viel zu viele Bewohnerinnen, oft keine Möglichkeit zu einer störungsfreien Pause – nachts schon gar nicht. Und die Erledigung der umfangreichen Dokumentationsaufgaben nimmt manchmal sogar noch einen Teil persönlicher Freizeit in Anspruch.

Ja, es gibt bald zu wenige  Pflegekräfte, alle reden darüber. Doch die genannten aktuellen Probleme haben damit oft nichts zu tun. Denn man höre und staune: Viele Teilzeitkräfte in den Pflegeeinrichtungen möchten ihren Beschäftigungsumfang gerne aufstocken. Doch keine Chance. Die Personalkosten müssen auf Teufel komm raus gesenkt werden. Auch wenn der Arbeitsdruck weiter steigt und die Zuwendung zu einzelnen Bewohnerinnen weiter zurückgeht. Selbst wenn die Arbeitszeit-Standards der AVR nicht eingehalten werden, wenn Pausen nicht genommen werden können, wenn es ständig einen indirekten Zwang gibt, kurzfristig einzuspringen, wenn Überstunden nicht ausgeglichen werden, … – auf keinen Fall wird das Personal aufgestockt. Denn vor allem muss das Geld stimmen. Das heißt: Der Notstand ist oft hausgemacht. In vielen Fällen gibt es genügend qualifiziertes Personal. Noch! Die langfristige Abschreckung vom Pflegeberuf lässt unter diesen Umständen allerdings nicht auf sich warten.

Was können die Betroffenen tun? Sie können sich beteiligen an der politischen Diskussion, ganz konkret auch bei Initiativen wie „Pflege am Boden“. Aber vor Ort? In der eigenen Einrichtung?

Die MAVen können sich für vernünftige Arbeitszeit- und Pausenregelungen stark machen. Da liegt ihr stärkstes Mitbestimmungsrecht. Das beinhaltet auch Mitverantwortung. Wenn sie und die Betroffenen bei jeder Grenzüberschreitung in Sachen Arbeitszeit „laut aufschreien“, wenn die Überlastungs- und Gefährdungsanzeige für jede unzumutbare Situation zur Selbstverständlichkeit wird, wenn kein Missstand mehr unter der Decke gehalten werden kann, dann wird auch eine realistische Personalausstattung zum gemeinsamen Ziel werden. Nicht nur in den Sonntagspredigten. Darüber sollten wie ins Gespräch kommen, oder?

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